Migräne und wie man sterben will

Migräne, Yoga 1020 Wien

Bier, Marihuana, Tigerbalsam, Schlaftabletten, Schmerzmittel in abartiger Überdosierung, Kühlkissen, Duschen bei Temperaturen nahe der Verbrennung, Nasensprays und das Bedürfnis den eigenen Kopf immer und immer wieder gegen eine Wand zu schlagen. Das klingt ein wenig nach einer labilen, psychischen Veranlagung mit der Tendenz zu einem Übergebrauch an Rauschmittel. So geht es mir und vielen, vielen anderen Menschen, die an Migräne leiden. Nichts bleibt unversucht und dennoch bleibt das Gefühl nicht genug gemacht zu haben.

Mittlerweile weiß man, dass es sich bei Migräne um eine genetische Prädisposition handelt, die von unzähligen Triggern ausgelöst werden kann. Man geht von einer Hyperaktivität der Nervenzellen, einer Hochschaubahn des Seratononhaushaltes, einer entzündeten Hirnhaut, sowie einer Erweiterung der Gefäße aus. Doch so richtig sicher ist man sich nicht ganz, weder in der Kausalität noch bei möglichen Therapieformen. Nach wie vor herrscht jedoch, nicht nur in der normalen Bevölkerung, sondern auch bei vielen MedizinerInnen, das Bild der hysterischen Frau. Die meisten chronischen Erkrankten erfahren Akzeptanz in ihrem Schmerz. Das ändert natürlich nichts an dem Leid, das sie erfahren. Doch es macht einen riesigen Unterschied. Jahrelang habe ich versucht die Migräne zu verstecken, runterzuspielen, lapidar abzutun, um das Unverständnis wie auch die vielen gut gemeinten Ratschläge zu vermeiden. Bisschen Kopfschmerzen? „Leg dich doch einfach hin und schlaf, dann ist morgen alles wieder gut.“ Nein, leider! Bei einem Anfall beginnt ein pulsierender, stechender Schmerz halbseitig deinen Kopf zu terrorisieren. Begleitet wird dieses unablässige Stechen mit Schmerzen im Auge, einer extremen Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit sowie eine Übelkeit, die an Seekrankheit erinnert. Unbehandelte Schmerzattacken dauern bei mir zwischen 4 und 11 Tagen. Das sind Tage, die mir niemals jemand wieder zurückgeben kann. Sie sind gestohlen und versauen mir mein Leben auf eine kaum beschreibbare Weise. Meine Freundin, die an einer ähnlich starken chronischen Migräne leidet beschreibt es treffend als einen Ausflug in die Hölle. Chronische Migräne was bedeutet das? Das sind Menschen, die an mehr als 15 Tagen in Monat Schmerzen haben. 15 Tage sind gute Monate bei mir!

Warum schreibe ich diesen Blogeintrag? Ich zähle bestimmt nicht zu den sich selbstbedauernden Menschen, die das Mitleid der Welt suchen. Ich möchte dennoch darauf aufmerksam machen, wie es sich mit einer Krankheit lebt, die Schwierigkeiten hat als solche gesehen zu werden. So wie die meisten Betroffenen habe ich alles versucht. Es gibt kein Schmerzmittel, dessen Wirkung ich nicht kenne, keine AlternativmedizinerInnen in Wien, denen ich ein mittleres Jahreseinkommen geschenkt habe und keine herkömmlichen ÄrztInnen, die mich nicht weinend in ihren Wartezimmern sitzen hatten. Ich habe Betablocker genommen, keinen Alkohol und Zucker konsumiert, gekneipt, einen Tagesrhythmus wie im Gefängnis eingehalten, mir jede Freiheit erlaubt, Sport bis zur Ekstase betrieben, meditiert, Hitze vermieden und gehofft, dass der weibliche Zyklus keine hormonelle Veränderung mit sich bringt.  Was bleibt ist die bittere Erkenntnis, das nichts hilft.

Doch langsam nach 20 Jahren der heimtückischen Attacken finde ich mich ab. Mit Botox im Kopf und Triptanen (Gott schütze die Pharmaindustrie) in der Tasche, schaffe ich die meisten meiner Anfälle binnen einiger Stunden abzufangen. Wenn es mir mal nicht gelingt, bin ich den Angestellten der Neurologie im AKH unendlich, für ihre liebevolle Bereitschaft zu helfen, dankbar und freue mich einen Arzt gefunden zu haben, der sagt „ja klar sollst du nicht mehr als 3 Relpax in 24 Stunden nehmen, aber dann nimmst du halt mehr“. Der Migräneguru des Landes: ein Neurologe der offen zugibt zu hoffen. Auf die Forschung und per Zufall das eine Medikament zu finden, das der einen Patienten eben hilft. Dankbar eine Mama zu haben, die in die Nachtapotheke fährt und Rücksicht nimmt. Dankbar für Freundinnen die, sobald ich sage Kopfschmerzen zu haben, Verabredungen für mich absagen, um mir die Verlegenheit zu ersparen. Dankbar für die Yogamädls, die meine Stunden halten wenn mich die Toilette ruft. Dankbar einen Freund zu haben, der stundenlang still neben mir liegt und meinen Kopf streichelt und Kühlkissen auswechselt. Dankbar meinen Körper besser zu kennen, als die allermeisten Menschen und gelernt zu haben, unfassbar selektiv zu erinnern. Sodass nur die schönen Momente in meinem kleinen, klugen, verrückten Köpfchen gespeichert zurückbleiben!

Yoga für Pensionisten und Pensionistinnen

Yoga für Pensionisten 1020 Wien

Yoga für Seniorinnen und Senioren: wohlfühlen ist keine Frage des Alters – dennoch ist es für viele Menschen ab einem bestimmten Alter schwierig eine geeignete Form der Bewegung zu finden. Nun gut – wir werden uns die akrobatische Leistung der Dame am Bild nicht als Ideal vor Augen halten. Mehr Kraft, Beweglichkeit und Lebensfreude sind dennoch das Ziel der gemeinsamen Stunden „Yoga für Pensionisten“

Ab Ende September bieten wir im Coming Hooomm einmal pro Woche eine bewegte Einheit für Frauen und Männer jedes Alters an. Dennoch konzentriert sich diese Stunde auf Übungen, die besonders Menschen ab 60+ gut tun. So beinhaltet die Stunde Mobilisation des Bewegungsapparates, bewusstes atmen, Aktivierung des Beckenbodens, Kräftigung der Rumpfmuskulatur und sanftes Dehnen.

Willkommen sind alle Praktizierenden, die sich 60 Minuten lang wohl fühlen und bewusst sowie achtsam bewegen wollen!

Wann: ab Dienstag 19. Dezember um  10:30 in der Praterstrasse 33 (in das Café Rothen hinein, links in den Keller hinab)

Wir freuen uns auf dich!

„Engage Life“ – Workshop mit Papa Joe und Superwulfi

Selfdevelopment Workshop Johannes Baluch und Christoph Wulf

Engagement heißt auch Dialog – der zwischen Körper und Geist. Johannes Baluch und Christopher Wolf teilen ihre Erfahrungen mit euch, wie sie es geschafft haben ihre Gesundheit, ihre Kraft und ihr Glück zu meistern.

„In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ – die bestehende Verbindung von beiden Seiten pflegen steht hier im Vordergrund.

„Engage the mind“ – Perspektive ist einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zum Glück. Christopher teilt euch mit, wie er den Kampf gegen Depression, Antriebslosigkeit und Unzufriedenheit gewann und ein neues Lebensgefühl erlangt hat.

„Engage the body“ – innere und äußere Energie erzeugen Lebenskraft und – Freude. Johannes lädt euch ein, durch aktives Teilnehmen ein neues Körpergefühl zu erleben. Auch sein Lehrer ist das Leben, eine lange sportlich aktive Karriere, mit zahllosen Verletzungen und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper – jetzt nicht mehr!

Wann: Samstag, 17. Juni von 14 bis 17 Uhr

Kosten: 100€

Plätze sind begrenzt, es gilt: „first come, first serve“ – also sichert euch euren Platz!

Anmeldung und Information bei Johannes: 0650 9676964 oder johannesbaluch@hotmail.com und Christopher: 0676 9114034 oder chriswulf91@gmail.com – wir freuen uns auf euch!

Yoga Philosophie und Sequencing & Hands On Workshop

Yoga Philosophie, Sequencing, Hands On Workshop bei Coming Hooomm in 1020 Wien-Leopoldstadt

In den kommenden Wochen habt ihr 2 Mal die Möglichkeit mit Sandra euer Yogawissen zu vertiefen. Die 3-Stündigen Workshops bieten nicht nur Yoga-LeherInnen, sondern auch allen anderen Interessierten die Möglichkeit einen guten Einblick in die Philosophie des Yogas, einen optimalen Stundenaufbau und eine passende Form von Hands On (wie greife ich Praktizierende in Positionen gut an) zu gewinnen!

Wann: Freitag, 28.4.2017 13:00-14:30 Yoga Philosophie; 14:30-16:00 Sequencing, wie gestalte ich eine Yogaeinheit! Beide Einheiten zusammen kosten 45 Euro, einzeln 25 Euro.

Der zweite Block findet am Samstag, den 20.5.2017 um statt: 12:00-13:30 Hands On, wie gebe ich gute Unterstützung in der Asanapraxis; 13:30-15:00 Sequencing, wie gestalte ich eine Yogaeinheit! Beide Einheiten zusammen kosten 45 Euro, einzeln 25 Euro.

Anmeldungen unter: s.grosskopf@gmx.at oder 06765131848.

Ich freue mich auf euch,

Sandra

Yin Yoga Workshop im Jänner

Yin Yoga Workshop, 1020 Wien, Sandra Grosskopf

Um gut im neuen Jahr anzukommen, bieten wir im Jänner die Möglichkeit mit einer ausgedehnten Yin-Yoga-Stunde innezuhalten. Im Laufe des Workshops werden wir alle 5 Elemente, mit ihren zugehörigen Meridianpaaren, durchleben um die kommenden 12 Monate mir ihren jeweiligen Wandlungsphasen bewusster wahrnehmen zu lernen. So gelingt es uns mehr im Einklang mit dem Wandel der Jahreszeiten zu sein – unserem Körper, Geist und Seele die Möglichkeit zu geben, natürlich, gesund 2017 zu bestreiten.

Im restorativen Yoga nutzen wir „props“ (Blöcke, Decken, Pölster, Wand) um den Körper zu unterstützen länger in Posen zu verweilen. So erzielen wir ein passives Dehnen der Muskeln und Faszien  und entgehen jedem muskulären Stress! Du kannst Dich ganz Deiner Atmung widmen und mit jedem Atemzu tiefer in die Asana sinken. Restoratives Yoga ist die perfekte Ergänzung zu allen Yang-Flowklassen. Wir werden im Laufe des Workshops alle Meridianpaare passiv stretchen und Du hast genug Zeit um alle aufkommenden Emotionen zu beobachten und mit Deiner Atmung wieder ziehen zu lassen.

Für weitere Fragen und oder um Dir einen Platz zu sichern schreib mir am besten eine E-Mail s.grosskopf@gmx.at oder kontaktiere mich telefonisch unter 0676 513 18 48.

Ich freu mich auf Dich, Sandra

Termin: Sonntag 22.1.2017  14:30 – 17:00

Kosten: 35 Euro

Kant hatte Recht – ich flirte manchmal – geht wählen!

Sandra Grosskopf Yoga 1020 Wien

Kants kategorischer Imperativ besagt in seiner Grundform: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Daran scheitere ich. Täglich. Mehrmals. Ich tratsche zum Beispiel wahnsinnig gerne. Eine Eigenschaft an mir, die ich nicht besonders schätze. Nicht aus Bösartigkeit, sondern viel eher aus Unüberlegtheit. Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich es für nicht richtig empfinde. Ich gehe jetzt aber auch nicht sehr hart mit mir ins Gericht. Sondern beobachte, lasse mich reflektieren, meditiere und bin mir sicher, dass es sich mit der Zeit verändern wird.

Ein Gespräch mit einer Freundin hat mich jedoch unlängst in Frage stellen lassen, ob es denn sinnvoll ist nach dieser Maxime zu handeln. Ich neige zu einem eher freundlichen, sonnigen Wesen. Zumeist lächelnd, Menschen umarmend, merke ich mir persönliches, bin offen, kaum menschlichen Abgründen stehe ich missbilligend gegenüber. Gerade von Männern wird das sehr häufig missinterpretiert – und das ist der freundlichste Ausdruck, der mir dazu einfällt. Immer wieder wird es als Interesse an einer romantischen wie sexuellen Beziehung verwechselt. Auch von Männern, die das eigentlich nicht glauben können. Nicht selten wurde mir erzählt, dass ich mit XY geflirtet habe. Habe ich wahrscheinlich in seiner Wahrnehmung auch, aber dann flirte ich ebenso mit der Kassiererin der Drogerie am Eck und der Blumenverkäuferin und meinen Kundinnen. Dadurch entsteht ein Bild. Oftmals ein gar nicht so positives. Als Konsequenz könnte ich nun aufhören zu lachen, interessiert zu sein, Fragen zu stellen und eventuell würde dann kein Mann mehr glauben, dass ich mit ihm intim sein möchte. Wahrscheinlich ist das aber eben nicht.

Also bleib ich einfach wie ich bin. Begegne allen Menschen weiterhin mit meiner offenen Art und jene die es falsch verstehen wollen, sind einfach mitzutragen. Ähnlich wie die Zahl an Menschen, die nicht arbeiten gehen wollen. Die wenigen trägt der Sozialstaat auch liebevoll mit. Das führt mich zum Schlusssatz: geht wählen!

Think different

Körperarbeit 1020 1130 Wien

Seit einigen Wochen betreue ich einen neuen Klienten. Der begnadete Geigenspieler hat sich als Ziel gesetzt, seine Haltung zu verbessern, um nicht nur schmerzfrei durchs Leben zu gehen, sondern auch um sein Spiel zu verbessern.

Ich beobachte ihn während er sein Instrument bespielt, seine Atmung, Haltung, Bewegungsmuster und gemeinsam erarbeiten wir ein Konzept bestehend aus passiven Dehnungen (Nuad), aktiven Kräftigungs- und Dehnungsübungen, sowie einen optimalen Stand.

Zwar glaube ich, dass mir diese Stunde mehr Freude bereitet als ihm – doch auch er zeigt sich begeistert! Die Arbeit mit ihm zeigt mir einmal mehr wie wunderschön bereichernd meine Tätigkeit nicht nur für andere sondern für mich selbst ist. Lust bekommen? Ich freu mich auf dich!

selbstBewusst oder eingebildet?

Selbstwert 1020 Wien

Den Großteil meines bewusst wahrgenommenen Lebens, habe ich damit zugebracht, mich nicht besonders gern zu mögen. Meine Beine zu muskulös, meine Ohren eine Verwandtschaft zu Dumbo, ich grundsätzlich nicht gut genug. Ein Notendurchschnitt von 1,2 meine gesamte Schulzeit hindurch, ein abgeschlossenes Studium in Mindestzeit, sowie die Ernennung zur Bezirksrätin mit 19, änderten nichts an der Wahrnehmung nicht zu genügen. Sehr viel Zeit, noch mehr Energie, Tränen, Verzweiflung und unfassbar viel Geld haben mich durch einige Jahre Psychotherapie, Selbsthilfegruppen, Gespräche mit schlauen Menschen, Yoga und Meditation geführt und an einen Punkt gebracht, der ganz fein ist. Noch lange nicht fertig, aber ziemlich fein.

Mittlerweile mag ich mich. Nicht alles an mir, aber vieles. Ich kann die Dinge an mir, die schön sind als solche sehen und benennen. Ich weiß um meine Schwächen und um meine Stärken. Nicht selten bin ich aber nun damit konfrontiert, dass mich Menschen als arrogant und eingebildet abstempeln. So wurde ich unlängst gefragt, ob es eigentlich irgendwas an mir gibt, das ich nicht toll finde. Ja, gibt es! Aber noch mehr Qualitäten, die ich wertschätze. Dafür habe ich sehr lange gearbeitet.

Ich wünsche mir in einer Welt zu leben, in der wir einander die Schönheit, Intelligenz und Einzigartigkeit lassen. Gönnen. Sie feiern. Um die Großartigkeit eines anderen nicht als Bedrohung wahrzunehmen, weil man sich selbst dadurch klein empfindet, bedarf es eines gesunden Selbstbewusstseins. Aber machen wir gemeinsam ein Gedankenexperiment: wir leben und lassen uns toll, schwach, lustig, rigide, dominant, ungebildet, einzigartig sein. Ohne das Gegenüber als Messstab der eigenen Person zu sehen. Ich kann es kaum erwarten!

Über die vielfältigen Möglichkeiten des Lebens und warum Netflix ein wahrer Segen ist

Yoga 1020 Wien Sandra Grosskopf

Als ich heute morgen meine Yogamatte ausgerollt habe, ist es mir schwer gefallen meinen Geist zu zentrieren. Zig Gedanken, Tausend nicht erledigte Punkte auf meiner To Do List und noch mehr Optionen halten mich davon ab, bei meiner Atmung zu bleiben. Neben meiner Tätigkeit als Yogalehrerin, bin ich auch heimliches Mitglied der Bundes- und Wiener Stadtregierung. Der tägliche Stress die Zeitung auch wirklich zu lesen und nicht nur zu überfliegen, damit ich bei künftigen Verhandlungen gut Bescheid weiß, ist immens.

Im kommenden Jahr möchte ich eine Sportphysiotherapie- sowie eine Coaching- und Trainerausbildung machen. In meinem Kopf geistert das, noch immer nicht absolvierte, Online Anatomy Teacher Training, dessen Unterlagen ich seit zwei Jahren habe, herum. Habe ich erwähnt, dass ich ein Buch schreiben möchte? Der Presse am Sonntag entnehme ich regelmäßig Buchrezensionen, die mich dazu bewegen die empfohlenen Bücher zu kaufen. Der Stapel wächst und wächst. Jeden zweiten Monat verfluche ich den Tag, an dem meine Yogazeitschrift im Postkasten liegt – um dann mahnend meinen Couchtisch zu zieren. Die Shiatsufortbildungen im Shambala, Yogaworkshops von renommierten internationalen Trainern und meine TCM-Unterlagen verhöhnen mich geradezu ob ihrer Existenz.

Der Fortschritt auf meiner Yogamatte ist zäh und das Biokistl vor meiner Tür erinnert mich daran, dass gesund zu kochen auch eine schlaue Idee der Lebensführung wäre. Wie lange ist denn Ai Weiwei eigentlich noch im 21er Haus zu sehen? Nur damit ich das beruhigt, als unerledigt, aber nicht länger möglich, abhacken kann. Heute habe ich mir eine Hörbuchapp runtergeladen, damit ich im Auto zwischen FM4 (die Musik gefällt mir gar nicht, aber es hält mein Englisch frisch) mir auch da noch ein paar Infos reinziehen kann – Darm mit Charme habe ich noch nicht gelesen. Meine Reinigungsdame fragt mich regelmäßig ob sie mal ein paar Wochen nicht kommen soll, damit ihre Tätigkeit Notwendigkeit hätte. Ich schaue nur staunend und verneine kopfschüttelnd.

Dann halte ich inne, auf meiner Matte, setze mich hin und atme. Streiche den Kulturteil aus der Zeitung, kündige das Abo der Yogazeitschrift (4 Jahre sind genug), beschränke mich auf fünf Workshops pro Jahr. Das Buch kann warten, es gibt genügend ungelesene Autorinnen auf der Welt. Das neue Liessmann/Köhlmeier-Werk schafft es vielleicht doch nicht auf den Stapel und über den aufkeimenden Staub im Wohnzimmer, blicke ich gnädig hinweg. Ich schau mir jetzt eine Folge „orange is the new black“ an – eventuell auch zwei. Netflix ist ein wahrer Segen.